DAP-Tagung 1991 in Mannheim

Papiergeschichtsforscher tagten in Mannheim Vom 1. bis 3. November 1991 fand die zweite Zusammenkunft des im November des Vorjahres gegründeten Deutschen Arbeitskreises für Papiergeschichte im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim statt. Zu Beginn hieß der Direktor des Museums, Prof. Dr. Suhling, die Teilnehmer willkommen. Danach wurde das Arbeitstreffen mit den Vorträgen zu dem vorgegebenen Rahmenthema »Geschichte der Rohund Hilfsstoffe der Papierfabrikation« eingeleitet. Dr. Sabine Schachtner, Leiterin des Standortes Bergisch-Gladbach des Rheinischen Industriemuseums — Papiermuseum Alte Dombach — referierte über die Bergisch-Gladbacher Papierindustrie und die Wasserverschmutzung im 19. Jahrhundert. Es folgte der Vortrag des Mitarbeiters des gastgebenden Museums, Dr. Frieder Schmidt, über Rohstoffprobleme der papiererzeugenden Betriebe Südwestdeutschlands in der Frühindustrialisierung. Zum Abschluß dieses Tagungskomplexes sprach Dipl.-Ing. Karl Pichol, Institut für Technik und ihre Didaktik der Universität Münster, über Paradigmenwechsel zumThema »Papier« und Neuorientierung eines alten Themas in allgemeinbildenden Schulen. An die Vorträge schlössen sich jeweils sehr lebhafte Diskussionen an, in denen u.a. Fragen der regional unterschiedlichen, die Industrialisierung der Papierindustrie fördernden Faktoren und Probleme der Wasserklärung im 19. Jahrhundert erörtert wurden. Am Nachmittag des ersten und am Vormittag des zweiten Konferenztages berichteten die einzelnen papierhistorischen Einrichtungen über ihre Tätigkeit seit der ersten Arbeitskreistagung im November 1990. Die Leiter bzw. Mitarbeiter der Stiftung Zanders, Papiergeschichtliche Sammlung in Bergisch-Gladbach, des Papiermuseums »Alte Dombach« in Bergisch-Gladbach, des Papiermuseums im Leopold-Hoesch-Museum Düren, des Westfälischen Freilichtmuseums in Hagen, der Papiermühle am Schwalbenrainweg in Aschaffenburg, des Archivs der Dresdner Papier AG in Heidenau, des Museums für Verkehr und Technik in Berlin und des Deutschen Buch- und Schriftmuseums in Leipzig gaben einen Überblick über Veranstaltungen, laufende Arbeiten und geplante Vorhaben. Von besonderem Interesse war die Schilderung von Stefan Meisel aus Aschaffenburg, der sich hier um den Erhalt des alten Gebäudes der Kaufmannschen Papiermühle und dessen museale Nutzung bemüht. Sehr aufmerksam wurden auch die Mitteilungen von Dagmar Hering über die Entwicklung der Struktur und den Archivbestand der zentralen Leitung der Zellstoff- und Papierindustrie in der ehemaligen DDR verfolgt. Im Anschluß an den Bericht über die Tätigkeit des Leipziger Buchmuseums schilderte dessen Mitarbeiter, Matthias Manecke, den Stand der rechnergestützten Erfassung von Wasserzeichen und anderer papierhistorischer Bestände im Rahmen des einheitlichen Erschließungssystems dieses Museums. Auch in diesem Programmteil wurde die Gelegenheit zur Klärung weitergehender Fragen zu den einzelnen Institutionen umfangreich genutzt. Die Tagung wurde durch getrennte Arbeitsgespräche in zwei Arbeitsgruppen fortgesetzt, in denen die Themen »Wasserzeichen- und Papiermühlenerfassung« und »Papiergeschichte im Museum und im Unterricht« behandelt wurden. Der Nachmittag des zweiten Konferenztages war der Filmdokumentation gewidmet, vorrangig von Betrieben der neuen Bundesländer, die von der Stillegung bedroht sind. Vier Videofilme gestatteten Einblicke in die als historisch anmutenden Anlagen der Betriebsstätten in Bockau im Erzgebirge, Merseburg, Crossen bei Zwickau und Neckartailfingen in Württemberg. Mit diesen Aufnahmen wird eine der Aufgaben des Arbeitskreises für Papiergeschichte erfüllt, historische Anlagen wenigstens in der Form der Dokumentation der Nachwelt zu erhalten. Zum Abschluß der Tagung fand eine spezielle Führung im Landesmuseum für Technik und Arbeit statt, die vor allem die papierhistorischen Installationen des Museums im Blick hatte. Die Mitglieder des Arbeitskreises beschlossen, die nächste Tagung im Oktober 1992 nach Aschaffenburg einzuberufen, wodurch dieser traditionelle Standort der Papier-, Zeltstoff- und Buntpapierfabrikation sowie die Bemühungen um die Erhaltung der alten Papiermühle am Ort in den Gesichtskreis der Tagungsteilnehmer einbezogen werden soll. Als Rahmenthema für diese dritte Konferenz ist die historische Entwicklung der verschiedenen Papierprodukte vorgesehen. [Wolfgang Schlieder]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.